Arambol ist, so koennte man wohl sagen, ganz nett. Als ganz nett bezeichnet man ja landlaeufig Dinge, die einem mehr ein muedes Laecheln abringen als dass sie zu Begeisterungsstuermen veranlassen. Das Woertchen “nett” soll ja angeblich auch in einer geschwisterlichen Beziehung juengerer Art zu dem ausgewachsenen Wort “Scheisse” stehen. Nun, ganz so hart wuerde ich es nicht formulieren. Aber ich haette mir auch von Arambol wieder ein bisschen mehr erhofft als ich dann letztendlich zu sehen bekam. Der grosse Hauptstrand ist unspektakulaer und leider auch ganz schoen dreckig. Allerdings gibt es ein bisschen versteckt noch eine kleine Bucht, wo der Strand idyllischer und schoener ist. Aber mit Palolem, dem ersten Traumort meiner Goareise, konnte das dann doch nicht konkurrieren.
Auch in Arambol gab es viele Glasperlenketten, Hippie-Klamotten und vor allem: Verrueckte! Es ist kaum zu glauben wie viele verrueckte Menschen es hierher treibt, als sei Goa das Refugium der Verruecktheit. Zum Beispiel ass ich gerade Fruehstueck auf einer der unzaehligen Restaurantterassen, als eine junge Frau hereinkam und sich mit jemandem lautstark unerhielt. Da war aber keine weitere Person awesend, also wunderte ich mich ein wenig und blickte von meinem Kaffe auf. Dann wurde mir klar, dass sie mit dem Zonk geredet hatte! Wirklich: Im Arm hielt sie ein Kuscheltier, das der 90er Jahre Fernsehshow “Geh aufs Ganze” entrissen worden zu sein schien. Da die “beiden” Englisch miteinander sprachen, ist wohl davon auszugehen, dass die Show nicht nur in Deutschland lief
Spaeter traf ich dann noch Jesus, der mich fragte ob dort wo ich stand der Bus abfahren wuerde. Ich war natuerlich begeistert ihn zu treffen und war froh ihm eine positive Aukunft geben zu koennen. Dieser Jesus hatte einen starken franzoesischen Akzent. Gott kommt vielleicht doch aus Frankreich?
Da ich nicht noch selber verrueckt werden wollte, begab ich mich auf den Weg nach Panjim, Goas Hauptstadt und ehemaliger Sitz des portugiesischen Gouverneurs der Provinz und Kolonie Goa. Der letzte portugiesische Amtstraeger ist hier erst 1961 abgelegt, solange haben die beruechtigten europaeischen Seefahrer dieses Stuckchen indien naemlich fest umklammert und sich erst von der indischen Armee endgueltig vertreiben lassen. Das Flair der Stadt ist demnach noch durchaus prtugiesisch gepraegt. Haueser im suedeuropaeischen Baustil und vor allem Kirch in portugiesischer Gothik lasen einen manchmal vergessen das man in Indien ist. Einmal in der Woche gibt es sogar einen Gottesdienst auf portugiesisch!
In der Naehe von Panjim liegt Old Goa, wohin ich heute einen Tagesausflug mit dem Motorroller unternommen habe. Dort gibt es noch mehr Kirchen und in einer sogar die Reliquien des heiligen Sankt Xavier, der hier missionarisch zu Hoechstleistungen aufgefahren hat. Sehr interessant ist es immer, wenn man hier in ein Museum jedweder Art geht und ein bisschen den Gespraechen der Inder lauscht, die an den Portraits ehemaliger Wuerdentraeger vorbeischlendern und Dinge fallen lassen wie: “This definetly is a Photograph, see it is black and white.” Es handelte sich aber offensichtlich um eine Kohlezeichnung aus dem Jahre sechzehnhundertundsonstwas, da waere man fuer soetwas wie einen Fotoapparat wohl noch auf dem Scheiterhaufen gelandet ![]()
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